Das Unimog-Museum in Gaggenau

Im Rahmen meiner journalistischen Abschlussarbeit habe ich eine kleine Dokumentation über das Unimog-Museum in Gaggenau angefertigt. Einfach auf den unten stehenden Link klicken, dann wird das Video bei Youtube geöffnet.

Doku über das Unimog-Museum in Gaggenau

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Der IELTS-Test

Bildergebnis für ielts

Wofür braucht man den Test?
Am 8. September habe ich in Bremen den berühmt berüchtigten IELTS-Test absolviert. Dies war notwendig, da mein Abitur schon mehr als zwanzig Jahre zurückliegt und ich für mein Studium nachweisen muß, dass ich über ausreichend Englischkenntnisse verfüge. Da viele Tests wie zum Beispiel der TOEFL kurzfristig ausgebucht sind, habe ich mich für den IELTS-Test entschieden.

Die Vorbereitung
Die (Online-) Anmeldung für den Test ein paar Wochen vorher war problemlos, nur die Testgebühr hat es in sich: Über 260,00 EURO für einen simplen Englischtest. Aber nach weiterer Recherche stellte sich heraus, daß dieser Test gar nicht so simpel ist. Denn die Struktur beweißt, dass man sich Gedanken gemacht hat, wie man möglichst objektiv ein Sprachniveau ermittelt. Bewertungen und Erfahrungen von Testkandidaten aus dem Netz zu finden, die aussagekräftig sind, sind eher schwierig. Also habe ich mir ein Buch bestellt, um zu wissen, was konkret auf mich zukommt. Zwar erfährt man auch einige Dinge über die Website und die dazugehörige App, jedoch ist diese relativ schnell erkundet. Mit dem Buch konnte ich mir da schon einen besseren Eindruck verschaffen, ich finde es ideal für die Vorbereitung: The Official Cambridge Guide to IELTS, ISBN 978 1 107 62069 8, inklusive CD/DVD.

Der Tag des Testes
Am Samstagmorgen war es dann soweit, um 08:20 Uhr fand ich mich bei der Volkshochschule Bremen ein, um den Test anzutreten. Mit dabei waren ungefähr 30 Mitstreiter, vom Alter her um die zwanzig und viele sehr nervös. Die Anmeldung erfolgte per Personalausweis, mitnehmen den in Prüfungsraum durfte man außer dem Personalausweis und einer (durchsichtigen) Flasche Wasser nichts. Wer sich nicht daran halten würde, wäre sofort vom Test ausgeschlossen. Natürlich hat dies keiner gewagt. Diese Hinweise wurden mehrfach gegeben, allgemein war die Atmosphäre eher streng gehalten und sollte wohl eine rigide Prüfungssituation simulieren. Nachdem fotografiert wurde, durfte man sich setzen, um kurz nach Neun begann der Test. Dabei haben die beiden Prüfungsbeauftragten keine Miene verzogen, es wurde nicht frei gesprochen, sondern alles ausschließlich abgelesen. Der erste Testabschnitt war dann der Hörtest. Vom Schwierigkeitsgrad zunächst nicht sehr hoch, aber trotzdem mußte man sich konzentrieren, damit man die gesuchten Wörter identifizieren konnte. Die Schwierigkeit wurde dann immer wieder ein wenig gesteigert. Als nächster Abschnitt kam dann der Lesetest. Hier waren es drei Texte, auch in der Schwierigkeit gestaffelt, wo man dann eine Stunde Zeit zur Verfügung hatte. Ebenso ging es dann im Schreibtest weiter. Im ersten Teil sollte man eine Grafik beschreiben, im zweiten Teil ein Thema argumentativ erläutern, beides ebenso innerhalb von einer Stunde. Zeitliche Toleranzen wurden nicht akzeptiert, die große Bahnhofsuhr in der Mitte der Bühne erinnerte die Teilnehmer manisch daran, dass nicht unendlich Zeit zur Verfügung steht. Die ersten Aufgabenteile durfte man nur mit einem Bleistift bearbeiten, den freien Text hatte man zur Auswahl, ob mit Kugelschreiber oder weiterhin mit Bleistift. Nachmittags stand dann der mündliche Test an. In den fünfzehn Minuten hatte meine Prüferin die Aufgaben abgelesen, ein freies Gespräch war aber in Grenzen möglich und somit die gesamte Atmosphäre ein wenig lockerer.

Wieso so streng?
Mich hat die ganze Zeit gewundert, dass die martialische Atmosphäre nicht besser wurde. Toilettengänge nur mit Begleitung und Voranmeldung, immer wieder sollte man seine ID, zeigen und bloß nicht lächeln (auch nicht für das Foto). Das liegt wahrscheinlich daran, dass in der Vergangenheit viele Täuschungsversuche stattgefunden haben und man deshalb so „hart“ durchgreifen muß. Dies ist aber nur meine persönliche Vermutung. In dreizehn Tagen werde ich erfahren, welches Sprachniveau ich habe. Durchfallen kann man nämlich nicht, nur eben eine niedrige Punktzahl erhalten. Ich bin gespannt und hoffe, daß mein Sprachniveau ausreichend ist. Denn noch einmal so viel Geld für einen Prüfungsvormittag wollte ich eigentlich nicht ausgeben.

Link: https://www.britishcouncil.de/pruefung/ielts

Christoph Martin: Expansion

Der inhaltliche Einstieg ist abrupt: Die Geschichte mit einem Selbstmord der Eltern des Protagonisten, Max Burns und einigen Ortswechseln. Jahre später hat Burns Karriere gemacht und krönt diese mit einem Auftrag, als Chefingenieur die Erweiterung des Panamakanals zu betreuen. Dies mag erst einmal banal klingen, doch ist der Panamakanal eine strategische Wasserstraße nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht. Und der Protagonist Max Burns muss, bevor er überhaupt mit dem Projekt loslegen kann, eine Ausschreibung gewinnen, an denen auch andere Konsortien aus verschiedenen Ländern teilnehmen. Und da es um Milliarden geht und um die Vorherrschaft am Kanal, tummeln sich allerhand Gestalten in Panama, um zu spionieren und die Interessen des jeweiligen Landes zu vertreten. Dass sich dann Burns ausgerechnet in eine Agentin verliebt und der Vater seines besten Freundes ihm einen Mord unterschieben will, macht die ganze Sache nicht einfacher. Gewöhnungsbedürftig sind die kurzen Kapitel und häufigen Ortswechsel, auch ist der Anfang ein wenig holperig und manchmal fehlt die Tiefe bzw. einige wissenswerte Details. Je weiter man aber liest, umso mehr wird die Geschichte lesenswerter und spannender. Das Ende ist dann genauso abrupt wie der Anfang, hier geht es dann doch alles ein wenig schnell. Aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, denn einige Dinge werden offen gelassen.

 

 

Urlaubszeit = Reisezeit: Dänemark?

Eine Reiseführer-Trilogie für Dänemark – Begeisterte

Bin ich ein Genießer? Ich war noch nie in Dänemark und möchte das Land kennenlernen? Wo gibt es das beste Essen, die verträumtesten Orte, am meisten zu erleben und was muss ich beachten? Alle diese Fragen und noch viel mehr werden ausführlich in den Reiseführern von Kathrin von Maltzahn beantwortet. Leidenschaftlich beschreibt sie Dänemark mit allen Facetten: Von der Hauptstadt Kopenhagen bis hin zu einsamen und verträumten Orten jenseits der Touristenpfade.

Der erste Band ist für Dänemark-Einsteiger gedacht. Für jemanden, der das Land nicht kennt bietet dieser Führer schnell eine erste Übersicht. Je nach Interessenlage kann man, wenn man einen sympathischen Ort gefunden hat, das Wissen vertiefen. Nach einem kurzen Kapitel mit Basiswissen werden ausgewählte Orte an Nord-, Ostsee und den Inseln vorgestellt. Das Buch ist einfach strukturiert, reich bebildert und enthält viele nützliche Tips. Der Fokus liegt auf Land und Leute und dem typischen Ferienhausurlauber, Hinweise auf Campingplätze oder Hotel sucht man vergebens.

Der zweite Band richtet sich an Dänemark-Kenner. Im ersten Kapitel fällt dann das Basiswissen dementsprechend kurz aus. Ähnlich aufgebaut wie Band I werden Jütland, die Insel und Seeland vorgestellt. Einzelne ausgewählte Urlaubsorte werden dann mit viel Hintergrundwissen und Fotos beschrieben. Im letzten Kapitel gibt es dann noch ein paar Geheimtips der Autorin.

An Genießer und Interessierte für Städtereisen richtet sich der dritte Band. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Hauptstadt Kopenhagen, die fast die Hälfte des Reiseführers ausmacht. Die beiden größten Städte auf dem Festland, Aarhus und Aalborg kommen aber auch nicht zu kurz und liefern einen ersten Eindruck. Anders als bei den ersten beiden Bänden liegt diesem Exemplar eine separate Übersichtskarte zum Mitnehmen in die Städte bei.

Alle drei Bände sind voll mit Impressionen, Erfahrungen, Tips und Empfehlungen zum Thema Urlaub in Dänemark. Grundsätzlich geht es um Hintergrundwissen und einen ersten Eindruck, die zahlreichen Fotos helfen dabei. Empfehlungen für Schnäppchenjäger und Campingplätze sowie Hotels sucht man vergebens. Wer sich aber näher informieren möchte und das nicht nur oberflächlich, ist mit dieser Reiseführer-Reihe sehr gut bedient.

Axel Otersen

Infos

Dänemark 1
Band I Dänemark für Einsteiger
ISBN 978 3 00 048640 1, 12,00 €

 

Dänemark 2
Band II Dänemark für Kenner
ISBN 978 3 00 052317 5, 12,00 €

 

Dänemark 3
Band III Dänemark für Genießer
ISBN 978 3 00 055388 2, 12,00 €

 

 

Der Sturm der Normannen

Für Liebhaber des historischen Romans bietet der Autor Ulf Schiewe den typischen Stoff der damaligen Zeit (um 1047), gepackt in eine zusammenhängende Geschichte. Der Held Gilbert erzählt aus der Ich-Perspektive die Abenteuer, die er mit seinem Herrn Robert Guiscard erlebt. Dabei geht es um Neid, Familienstreit, Intrigen und auch die Kirche spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle.

Der normannische Hauteville-Clan zu dem auch Robert Guiscard gehört, hat sich fast ganz Kalabrien unter den Nagel gerissen, jedoch gibt es Streitigkeiten und um die absolute Macht im (Familien-) Reich. Als dann rauskommt, dass der Graf von Apulien nicht eines natürlichen Todes starb, sondern vergiftet wurde, beginnt eine regelrechte Schlacht um die Vorherrschaft. Zum Glück ist am Ende alles wieder im Lot, die Bösen haben ihre gerechte Strafe bekommen und die Helden feiern sich selbst.

Die Geschichte ist für einen historischen Roman leicht durchschaubar und lässt sich mühelos nachverfolgen. Daher ist dieser Roman eine gute und gleichzeitig angenehme Lektüre für zwischendurch, die aber durchaus stellenweise den Leser fesselt und zum sofortigen Weiterlesen anregt.

Wer Lust auf mehr hat, kann sich dann bei den zwei weiteren Geschichten bedienen, die rund um den Helden Gilbert handeln und auch schon bereits erschienen sind.

Ulf Schiewe
Der Sturm der Normannen
Erschienen im KNAUR Verlag
ISBN 9783426516416
Taschenbuch, 9,99 €

 

 

Nordax Bank? Nein, bitte nicht schon wieder Abzocke

Woher diese Bank meine Adresse hat, möchte ich lieber nicht wissen. Viel schlimmer aber der Werbespruch: Viel Kredit für wenig Rate. Richtiger wäre viel Kredit für noch mehr Zinsen. Im Kleingedruckten steht nämlich der Zinssatz: 9,5%

Beim jetzigen Zinsniveau ist das mehr als Abzocke, also kann ich nur raten: Finger weg. Die vermeintlichen günstigeren Zinssätze von 4,9% gelten nur für sehr kurze Laufzeiten und sind deshalb für die meisten uninteressant.

Das Papier und die Portokosten hätte man sich sparen können.

 

 

Ein Abenteuer in einer anderen Welt: ORMOG, Der letzte weisse Magier

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Fantasy-Buch und Debutwerk von Thomas Engel

Das Buch „ORMOG: Der letzte weisse Magier“  lässt die Leser  in eine völlig andere Welt eintauchen. Als klassische Fantasy-Geschichte konzipiert, ist der Handlungsort ein fiktiver Planet namens Magnus, auf dem viel Magie herrscht und wo es ein großes Problem gibt: Die Magier des Weißen Ordens und die abtrünnigen Gorgulzauberer ringen um die Macht und entweder der herrscht das Böse oder das Gute. Der Protagonist Ormog ist dazu auserkoren, das Problem zu lösen. Natürlich gibt es ein gutes Ende, die Zivilisation wird vor dem Untergang bewahrt und Ormog ist der wahre Held der Geschichte.

Beim Einstieg ist die Geschichte ein wenig verwirrend, denn es gibt Zeitsprünge und teilweise nicht sehr genaue Erläuterungen. Diese Unklarheiten werden aber im weiteren Verlauf geklärt. So nach und nach wird man hineingezogen in die Fantasiewelt von Magnus und Spannungsbögen sind mehrfach in dem Buch vorhanden. Auch die beiden dargestellten Sichtweisen von Ormog und der Elitekämpferin Vatya sind sehr facettenreich und tragen zur Abwechslung bei.

Geeignet ist das Buch für Jugendliche ab 12 Jahren. Obwohl es sehr viel von Macht, Intrigen und Krieg handelt, kommt es nicht zu blutrünstigen Schlachten. Es geht vielmehr um Strategien und geheime Manöver, so dass das Buch ohne große Gemetzel auskommt. Aufgrund der teilweise verschachtelten Handlungsstränge ist es aber nicht immer einfach, den Überblick zu behalten, für manche erwachsenen Leser ist aber vielleicht gerade dies ein nicht zu verachtender Anreiz.

Der Autor

Thomas Engel ist mit seinen 16 Lebensjahren ein sehr junger Autor. Er wohnt in Nürnberg, besucht dort die 10. Klasse eines Gymnasiums und hat außer dem Schreiben auch die Musik als Hobby, er spielt Klarinette und singt im Chor.

Als Kind wurde ihm schon sehr früh die Welt der Bücher vertraut, denn seine Eltern lasen ihm viele Geschichten, Märchen und Sagen vor, und er kam über seinen älteren Bruder, der ein humanistisches Gymnasium besuchte, in Kontakt mit antiken Schriften und Sprachen. Besonders faszinierend erlebte er in dieser Zeit auch die SF-Serien und Kinofilme von Star Trek und Star Wars. Sobald er Lesen gelernt hatte, verschlang er nach einigen Jugendbüchern, Harry Potter und der Ringwelt die häusliche SF-Bibliothek seiner Familie: u.a. Romane bzw. Geschichten von Asimov, Bradbury, LeGuin, Herbert, Eschbach, Silverberg, Heinlein, Clarke, van Vogt, Shekley, Lem, Niven, Pratchett, Sheffield, Robinson, Card, Aldiss, Sapkowski…

 

Er tauchte in die Welten der Bücher zu einer Zeit ein, als bei ihm– außer allergischem Asthma – noch eine fortgeschrittene chronische juvenile Polyarthritis aller Gelenke (JIA) diagnostiziert wurde, die lange unerkannt blieb, weil diese spezielle rheumatische Autoimmunerkrankung bei Kindern relativ selten und im normalen Umfeld den meisten Menschen unbekannt ist. Diese Erkrankung bewirkt eine schmerzhafte Entzündung aller Gelenke des Körpers, die die Beweglichkeit auch im Alltag stark einschränkt und die viele Arztbesuche, Klinikaufenthalte und Therapieversuche nötig machte – und noch bis heute – macht.

Mit 13 Jahren hat er dann begonnen, eine von seinen Magnus-Geschichten handschriftlich niederzuschreiben, zumindest die ersten 80 Seiten, danach ging er zum Schreiben auf dem PC über. Daraus ist der vorliegende Fantasy-Roman Ormog entstanden, und es ist, wie gesagt, nur eine der vielen Geschichten, die auf „seinem“ Planeten Magnus geschehen sind…

Der Rest ging dann ganz schnell, ein Verlag wurde gefunden und somit ist dann das Buch als Erstlingswerk erschienen. Eine Fortsetzung der Geschichten rund um den Planeten Magnus ist schon in Arbeit.

Angaben zum Buch: ORMOG, Thomas Engel, 2016, Fabulus-Verlag, Tanja Höfliger, Fellbach,. ISBN 978 3 944788 30 2

Diese Rezension ist auch erschienen unter:

https://scheinwerfer.uni-bremen.de/2016/11/28/ein-abenteuer-in-einer-anderen-welt-ormog-der-letzte-weisse-magier/

Casting: Eine Geschichte über eine Welt, bei der Show und Spiel das Leben bestimmen

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Schon ab der ersten Seite taucht der Leser in eine fremdartige Welt ein, die aber dennoch viele Elemente aus der Realität enthält. Der Titel des Buches ist dabei Gesetz und bestimmt das Leben der Protagonisten. Für eine Wohnung, Lebensmittel oder andere Annehmlichkeiten des Lebens muss man sich casten lassen für eine Show und kann dann die entsprechenden Preise gewinnen. Das gesamte Leben ist ein Wettbewerb um das Gewinnen und Verlieren.  Wer nicht in der Lage ist, ständig zu gewinnen, verliert seine Wohnung und weitere Annehmlichkeiten und geht ans untere Ende der Gesellschaft. Die Gewinner wohnen in festen Unterkünften, die Verlierer hausen in Zelten. Ist man gar „castingunfähig“, wird man komplett ausgeschlossen und endet in einem Arbeitslager. So kann man ungefähr die surreale Welt des Protagonisten Lovis beschreiben, der sich am System zwar auch bedient, aber keinesfalls dahintersteht. Ihm kommen immer mehr Zweifel und Fragen und er findet dabei Gleichgesinnte, die wissen wollen, was hinter dem ganzen System steckt. Dabei führt sie ihr Weg über diverse Stationen, sie schaffen sich einen eigenen Rückzugsort und am schließlich gibt es ein harmonisches Ende.

Der schnelle Einstieg in die Geschichte fällt leicht, denn man ist schnell mitten drin im Geschehen. Doch was befremdlich wirkt sind neben der seltsamen Namen der Casting-Show-Juroren, so zum Beispiel Ra Putzel oder Quassel Strippe, die gesamte Lebenswelt, die Fragen offen lässt. Denn in der beschriebenen Welt der Castingshows herrschen Regeln und Vorgaben, alles wird überwacht von den Controlleuren. Es gibt auch Strafen, doch Gewaltanwendung exisitiert nicht im Buch. Auch in den Arbeitslagern verrichten die Menschen lethargisch ihre alltägliche Arbeit, aber auch hier wird nicht beschrieben, dass man sich gewaltsam in dieser Position befindet. Ein weiteres seltsames Element ist der Juror Kaspar Scherzinger, der im bayerischen Dialekt redet und Leser für jeden Kommentar von ihm eine Übersetzung ins Hochdeutsche finden. Finanziert wird diese ganze Castingwelt von einem reichen chinesischen Geschäftsmann für eine „Welt da draußen“. Das erinnert ein wenig an die Truman Show, nur dass in dieser Geschichte die Castingwelt deutlich grausamer ist und der voyeuristische Aspekt eher dem Wettkampf gewidmet ist. Außerdem werden mit den reichen Chinesen Klischees bedient, die die Story an sich gar nicht nötig hätte.

Wie die äußere Welt aussieht, erfahren die Leser nicht. Dass dann alles am Ende harmonisch endet und die Castingmenschen wieder befreit sind von ihrem künstlichen Leben voller Wettbewerbe und Zwänge, wirkt zu einfach und frustriert den Leser mehr als dass es ihn befriedigt. Die Idee für das Buch ist gut, die Geschichte auch, die Umsetzung eher dürftig, da der Leser mit Fragen zurückbleibt und die beschriebene Welt viele Lücken aufweist. Für einen (Lese-) Nachmittag ist das Buch aber auf jeden Fall ein netter Zeitvertreib.

Casting: Spiel ums Leben von Yvonne Richter, erschienen 2016 im Fabulus-Verlag, ISBN 978 3 944788 28 9

Diese Rezension ist auch erschienen unter:
https://scheinwerfer.uni-bremen.de/2017/01/19/casting-eine-geschichte-uber-eine-welt-bei-der-show-und-spiel-das-leben-bestimmen/

 

Keine Antwort auf Emails

Seitdem der geschriebene Brief mehr und mehr abgelöst wird durch elektronische Kommunikation scheint das Leben im wahrsten Sinne des Wortes einfacher zu werden. Denn schließlich hat man auch nichts mehr in der Hand, sondern liest am Bildschirm, kann sofort antworten und reagieren und innerhalb von Bruchteilen von Sekunden ist die Antwort wieder beim Empfänger. So sieht der Idealfall aus, die Realität ist aber weit davon entfernt. Meine Erfahrung ist, dass immer weniger Emails sofort beantwortet werden, manchne brauchen Tage, und kommt dann mal eine Antwort, ist diese auch nicht gerade befriedigend. Aber viel schlimmer ist es, wenn gar keine Antwort kommt. Dies passiert immer häufiger, und auch wenn es um offizielle Dinge geht wird immer öfter gar nicht geantwortet: Da geben sich von Mobilfunkunternehmen über Gasversorger nichts, da antwortet man lieber gar nicht, bevor das alles noch in die falsche Richtung geht oder man gar noch Zugeständnisse macht. Und am schlimmsten ist bei der Generation Web 3.0, wo die Email grundsätzlich dem SPAM zugeordnet wird und keine Wichtigkeit dahingehend erlangt, dass man darauf antworten müsse. Bei mir ist es mittlerweile schon soweit, dass ich wieder einen Schritt zurück gemacht habe und meine Kommunikation wieder auf Brief umgestellt habe, vorzugsweise mit Einschreiben, damit man auch einen Nachweis hat. Und siehe da, die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten, aber es bleibt spannend, in welche Richtung es sich noch weiter entwickeln wird.